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Frauenkopf Bild1

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Frauenkopf
Von einem Grabrelief, unterlebensgroß
Inv.-Nr. Sk 39

Attisch, um 340–330 v. Chr.

Weißer, feinkristalliner Marmor, braun patiniert.

H insgesamt 18 cm
max. B 14 cm
H Kinn bis Stirnscheitel 11 cm
B des Gesichtes vor den Ohren 8 cm
Relieftiefe bis 10 cm


Fundort: Vermutlich Athen

Zugang: 1688 von hessischen Truppen aus Griechenland für Landgraf Karl mitgebracht.


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Unergänzt. Oberfläche rundum bestoßen und patiniert. Hals und Mantel etwa in Schulterhöhe gebrochen; hinter dem Gewand ist das Fragment halbkugelig (ca. 7 cm tief) aus der Reliefrückwand entfernt worden; Mantel vorn stark bestoßen; davor auf der r. Kopfhälfte Reihe kleiner Bohrlöcher. Im 2. Weltkrieg brandgeschädigt, geschwärzt, Abplatzungen der Oberfläche. Restaurierung 1912/13: (Bieber 1915). Restaurierung 1953: gereinigt. Restaurierung 1973/75: gereinigt, gefestigt, Standdübel montiert.

Beschreibung: Der kleine Frauenkopf war nach Ausweis der Asymmetrien und der Bruchfläche hinter dem Gewand leicht zur linken Seite gewendet. Die Frau trägt eine Haarkranzfrisur mit hoch auf der Stirn ansetzendem Mittelscheitel. Sie hat den Mantel schleierartig über den Hinterkopf gezogen. Der Saum des Mantels reichte bis zu der das Gesicht rahmenden Frisur. Die schräg von vorn gebohrte Lochreihe rührt von der Unterschneidung des freiplastischen Mantelrandes über der Frisur her. Da das Gewand auf der rechten Kopfseite stärker absteht, könnte die Frau mit der rechten Hand den Saum des Mantels etwas zur Seite gezogen haben (Bieber 1915). Die welligen Lockensträhnen des voluminösen Stirn- und Schläfenhaares, das lediglich die Ohrläppchen freilässt, sind nur in der Front modelliert. Das breite füllige Gesicht mit seinen schmal geöffneten Augen und schweren Lidern sowie der Schleier-Gestus erwecken den Eindruck von Trauer. Das Gesicht ist im Gegensatz zum stumpf gelassenen Haar und zur teils geraspelten Tuchfläche geglättet.

Der Kopf stammt von einem bisher nicht identifizierten attischen Grabrelief des späten 4. Jh. v. Chr. In der Kopfwendung nach links, in der Verschleierung, in der Frisur mit spitzer Stirnhaarkontur und mit seiner idealen Physiognomie steht unser Kopf dem etwas jüngeren und größeren Kopf der Naiskos-Stele (Bergemann 1997, Nr. 606) so nahe, dass eine Datierung um 340–330 v. Chr. und die Vermutung, wegen des kleinen Formates in ihr eine trauernde Begleiterin aus einer Naiskos-Stele zu erkennen, berechtigt erscheinen.

Publiziert:
Bieber 1915, Nr. 16 Taf. 19.


Literatur: J. Bergemann, GGA 247, 1995, 10 ff.; J. Bergemann, Demos und Thanatos (1997) bes. Naiskos-Stele Nr. 606 Taf. 35, 1. 2 Gruppe 330–300 v. Chr.; Chr. W. Clairmont, Classical Attic Tombstones II (1993) Nr. 2.390. Abb.

(PG)

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