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Zwischensockel einer Iupitergigantensäule Bild1

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Zwischensockel einer Iupitergigantensäule
Fragment
Inv.-Nr. Sk 53

220–230 n. Chr.

Roter Sandstein.

Erhaltene H 37,7 cm
Vorkriegszustand H 51 cm (ohne Zapfen)
Dm 43 cm


Fundort: 1574 in der Umgebung von Mainz »vor dem Fundament eines großen Gebäudes, noch auf seinem Postament befestigt, 1771 von Pater Fuchs auf freiem Felde wiedergefunden« (Bieber 1915).

Zugang: Erworben 1782 durch Legationsrat Schmidt v. Rossau für Landgraf Friedrich II.


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Im 2. Weltkrieg größtenteils zerstört. Oberer Teil abgebrochen, links vom Genius reliefierte Außenfläche zu weniger als einem Drittel der Höhe erhalten, rechts vom Genius noch schmaler Streifen der oberen Bildzone bewahrt. Ausbrüche an unterer Randleiste. Oberfläche stark angegriffen, durch Brandeinwirkung großflächig dunkel verfärbt. Restaurierung 1985: gereinigt.

Beschreibung: Wegen der starken Zerstörung des Objektes greift die Beschreibung auf Photographien zurück, die vor dem 2. Weltkrieg entstanden sind. Die runde Trommel wurde ehemals von zwei profilierten Randleisten eingefasst. Eine zentrale, leicht vertiefte Nische mit bogenförmigem Abschluß zeigt einen Genius mit längerem lockigem Haar. Er trägt einen Mantel und Stiefel. In seinem linken Arm hielt er ein Füllhorn, aus einer flachen Schale in seiner rechten Hand gießt er eine Opferspende über einen kandelaberartigen Altar. Die Figur weist gestreckte schlanke Proportionen und einen etwas labilen Stand auf. Ihr Gewand bildet breite Falten. Nur der untere Teil des Genius einschließlich seiner rechten Hüfte und sein rechter Unterarm mit dem Altar sind erhalten.

Eine glatte horizontale Leiste teilt den Bildstreifen zu beiden Seiten der zentralen Nische in zwei Zonen. Senkrechte Stege gliederten die obere Zone in rechteckige Felder, die Brustbilder von sieben Göttern zeigten. Rechts des Genius beginnt die Reihe mit Saturn, der seinen Mantel über den Kopf gezogen hatte und in seinem linken Arm ein Sichelschwert (Harpe) hielt. Nur der untere Teil der Büste und der Harpe sind erhalten. Es folgt Sol mit lockigen Haaren, Strahlenkranz und einer Peitsche im linken Arm. Er trug einen Mantel. Erhalten ist lediglich der linke Teil der Büste. Das nächste Feld zeigte die Mondgöttin Luna, die heute vollständig verloren ist, im Peplos und mit Mondsichel im Haar. In ihrer linken Hand hielt sie eine Peitsche oder eine Fackel. Es folgt Mars mit Rundschild, Mantel und Helm mit Federbusch. Es ist nur der linke Teil der Büste mit dem großen Rundschild bewahrt. In seiner rechten Hand hielt der Gott einen Speer. Von der Figur des Merkur im nächsten Feld ist noch der untere Teil der Büste mit einem Stück des Kerykeions in der linken Hand des Gottes zu erkennen. Er trug kurzes gelocktes Haar. Die beiden anschließenden Figuren des Iupiter und der Venus sind vollständig zerstört. Iupiter hatte längeres Haar und einen Vollbart. Über seiner linken Schulter trug er einen Mantel, der Oberkörper blieb frei. Mit seiner linken Hand umfasste er ein Zepter. Venus war nackt, im Haar trug sie ein Diadem. Sie wandte ihren Kopf einem Spiegel zu, den sie in ihrer linken Hand hielt.

Die untere Reliefzone nimmt ein flächiges, summarisch gestaltetes Blattornament ein. Die Blätter wachsen von der Nische des Genius zu einem zentralen Kelch unter der Figur des Mars. Auf der Oberseite der Trommel befand sich in der Mitte ein großer runder Zapfen mit einer quadratischen Vertiefung von 3 cm Breite und 2 cm Tiefe. Die Standfläche der Trommel weist eine Höhlung von 17 cm Durchmesser und 10 cm Tiefe mit einem Dübelloch in der Mitte auf.

Die sieben Planetengötter repräsentieren die sieben Wochentage. Saturn ist dem Sonnabend zugeordnet, Sol dem Sonntag, Luna dem Montag, Mars dem Dienstag, Merkur dem Mittwoch, Iupiter dem Donnerstag und Venus dem Freitag. Die Verbindung der Wochentage mit den Planetengöttern könnte ihren Ursprung in der alexandrinischen Astronomie haben (Duval 1953).

Derartige ›Wochengöttersteine‹ werden im Laufe des 2. Jhs. n. Chr. als Zwischensockel von Iupitergigantensäulen üblich (Bauchhenß 1984). Das achteckige oder wie hier runde Element verbindet gewöhnlich den quadratischen, mit Reliefs von vier Göttern verzierten Sockel (›Viergötterstein‹) mit dem Säulenschaft, dessen Kapitell die Gruppe eines reitenden Gottes mit einem Giganten trägt (Bauchhenß 1981; vgl. Duval 1953; Kunckel 1974, 61). Die Höhlung in der Unterseite und der Zapfen auf der Oberseite des Kasselers Stücks könnten der Verbindung mit den übrigen Säulenelementen gedient haben (Bieber 1915; Bauchhenß 1981, 176).

Die sieben Wochengötter sind das am häufigsten auftretende Bildthema auf den Zwischensockeln. Das achte Bildfeld kann entweder eine Weihinschrift oder eine weitere Götterfigur enthalten. Auf einem Stein im Landesmuseum Stuttgart werden die Planetengötter wie bei unserem Exemplar mit einem Genius verbunden (Kunckel 1974, 61. 111 Nr. C I 106; Bauchhenß 1981, 57. 191 Nr. 383). Die Funktion der Götter und des Genius im Gesamtzusammenhang mit der Säule ist jedoch nicht geklärt (Kunckel 1974, 61; Bauchhenß 1981, 11). Die Iupitergigantensäulen treten im nördlichen Teil der römischen Provinz Germania Superior mit der Hauptstadt Mainz und im angrenzenden östlichen Teil der Provinz Gallia Belgica auf. Mainz und seine Umgebung bilden einen Schwerpunkt der Verbreitung (Bauchhenß 1981, 14. 24). Diese Gattung ist eine provinzialrömische Schöpfung. Möglicherweise verbinden sich in ihr keltische Glaubensvorstellungen mit der römischen Tradition der Iupitersäule (Bauchhenß 1981, 40 f. 83 f.; Bauchhenß 1984, 3). Die Darstellungen der Götter und des Genius auf dem Kasseler Zwischensockel folgen den gängigen Bildmustern der römischen Kunst.

Die Säulen sind nach Auskunft erhaltener Inschriften private Weihungen an Iupiter Optimus Maximus und z. T. auch an Iuno Regina. Sie waren in Siedlungen, Einzelgehöften und Heiligtümern aufgestellt (Bauchhenß 1981, 10. 21. 43. 83 f.). Ein Großteil ist in die Zeit zwischen 170 und ca. 250 n. Chr. zu datieren. Im Raum Mainz endet die Produktion kurz nach der Mitte des 3. Jhs. n. Chr. (Bauchhenß 1981, 27 f.). Das Kasseler Stück wird aufgrund der Körperproportionen des Genius, der spärlichen Faltenangaben und der Kopfhaltung der Wochengötter wohl zwischen 220 und 230 n. Chr. entstanden sein (Bauchhenß 1984). Die Verwendung von rötlichem Sandstein deutet ebenfalls auf eine eher späte Entstehung hin (Bauchhenß 1981, 29).

Publiziert:
Bieber 1915, Nr. 93 Taf. 35; E. Espérandieu, Recueil général des bas-reliefs de la Gaule romaine VII Nr. 5821; G. Bauchhenß, Denkmäler des Jupiterkultes aus Mainz und Umgebung, CSIR II 3 (1984) 59 f. Nr. 59 Taf. 96–98.


Literatur: Zur Gattung: G. Bauchhenß, Die Jupitergigantensäulen in der römischen Provinz Germania superior, BJb Beih. 41 (1981) 5 ff., 175 f. Nr. 317 Taf. 36, 3; G. Bauchhenß, Denkmäler des Jupiterkultes aus Mainz und Umgebung, CSIR II 3 (1984) 1 ff. – Zum Genius: H. Kunckel, Der Römische Genius, RM Ergh. 20 (1974) 53 ff., 106 Nr. C I 58 Taf. 78. – Zu den Wochengöttern: P.-M. Duval, Gallia 11, 1953, 282 ff., 289 Abb. 1; H. Ottomeyer (Hrsg.), Geburt der Zeit. AK Kassel (1999) 47 f. (P. Gercke)

(NZE)

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