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Fortuna Typ Braccio Nuovo Bild1

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Fortuna Typ Braccio Nuovo
Statuettentorso
Inv.-Nr. Sk 25

2. Jh. n. Chr.

Weißgrauer, feinkristalliner Marmor

H des Torsos 27,5 cm
mit Plinthe 30 cm
H ehemals insgesamt 35 cm



Zugang: Alter Bestand


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Oberfläche stark korrodiert, bestoßen, brandverfärbt. Marmorergänzungen verloren: Kopf mit Hals, r. Arm, l. Hand, Gewandfalten; r. Brust in Gips ergänzt; Plinthe in moderner Basis. Vermutlich im 18. Jh. Oberfläche geputzt, Schnitte und Abarbeitungen für Ergänzungen. Restaurierung 1912/13: (Bieber 1915). Im 2. Weltkrieg brandgeschädigt und verfärbt. Restaurierung 1953. Restaurierung 1985/86: gereinigt, gefestigt.

Beschreibung: Die schlanke frontal stehende Frau trägt Chiton und Mantel. Das am Oberkörper etwas feiner gefältete Untergewand hat sie hoch unter der Brust gegürtet. Der Mantel bedeckt die ganze Rückseite bis zum Boden und war nach Ausweis der Bruchkanten bis auf den Kopf hochgezogen. Auf der Vorderseite ist der Mantel in Hüfthöhe umgeschlagen und von der linken Schulter um den am Körper anliegenden gesenkten Arm gewickelt. Der fast bauschlose Überschlag reicht schräg zur Standbeinseite bis zu den Knien. Darunter fällt das Untergewand in wenigen Falten um das rechte Standbein und das Spielbein bis auf die Füße herab. Sie trägt geschlossene Schuhe mit hoher Sohle. Der stark beschädigte Torso könnte in die mittlere Kaiserzeit zu datieren sein.

Die Statuette gibt eine stehende Gewandfigur wieder, die in zahlreichen kaiserzeitlichen großplastischen Wiederholungen überliefert und Typus Fortuna Braccio Nuovo benannt ist (Kruse 1975, Nippe 1989, Alexandridis 2004). Statuarische Vorbilder werden stilistisch in der Spätklassik (Hekler 1909) oder im Hellenismus vermutet (Linfert 1976, Nippe 1989). Die majestätische Erscheinung der römischen Porträtstatuen als Priesterinnen bzw. Opfernde mit auf den Kopf gezogenem Mantel (capite velato) und die zahlreichen idealplastischen Wiederholungen geben Anlass, das Urbild bzw. die griechischen Vorbilder motivisch im Bereich der opfernden Göttinnen oder Priesterinnen zu suchen. Die römischen Wiederholungen des Gewandtypus sind aufgrund ihrer formalen Unterschiede in mehrere Replikenreihen zu unterteilen (Kruse 1975, Nippe 1989). Sie bezeugen seit dem ausgehenden 1. Jh. n. Chr. die Beliebtheit dieses statuarischen Motivs, das zuletzt auf ein eklektisches Werk des 1. Jhs. v. Chr. zurückgeführt wurde (Nippe 1989). Unser Torso im miniaturisierten Format, ursprünglich capite velato und vielleicht mit Füllhorn oder Spendeschale in der l. Hand, ist in die Gruppe idealplastischer Wiederholungen einzureihen.

Publiziert:
Bieber 1915, Nr. 39 Taf. 28.


Literatur: Zum großplastischen Gewandtypus: A. Hekler, Römische weibliche Gewandstatuen, in: Münchner Archäologische Studien dem Andenken Adolf Furtwänglers gewidmet (1909) 231 Typ XLVI; Kruse 1975, 124 mit Anm. 178; 185 f. mit Anm. 295 (Replikenlisten, Lit. zum Vorbild Fortuna Braccio Nuovo 2244), vgl. Typus D 27, D 98 Villa Borghese 597, D 120 Paris Louvre 1062 Taf. 73. 75; Linfert 1976, 143 Anm. 567 Abb. 358 Variante Oxford M 3 Vorbild 2. Hälfte 2. Jh. v. Chr. (?); C. Nippe, Die Fortuna Braccio Nuovo (1989) 10 ff. eklektischer Typus des 1. Jh. v. Chr.; A. Alexandridis, Die Frauen des römischen Kaiserhauses (2004) 232 Typ Fortuna Braccio Nuovo (Replikenliste 2.2.9), r. Standbein, l. Spielbein, Typus häufiger in der Idealplastik als für Porträts verwendet.

(PG)

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