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Stephanos-Athlet Bild1

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Stephanos-Athlet
Statuentorso, unterlebensgroß
Inv.-Nr. ALg 332

Neuzeitliche Kopie des 18.–19. Jhs. nach Torso Berlin K 139.

Weißer, feinkristalliner Marmor, leicht blauädrig, Drusenpunkte, grauschwarze Flecken.

H des Torsos 77 cm
Distanz Brustwarzen 21 cm
Distanzen r. Brustwarze bis Penisansatz 36 cm
l. Brustwarze bis Penisansatz 34 cm



Zugang: Leihgabe aus Privatbesitz Augsburg seit 1992


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Verloren durch Bruch wie am kopierten Vorbild: Kopf mit Hals, Arme ab Oberarmmitte, r. Bein mit Oberschenkel, l. Bein oberhalb des Knies; Geschlecht bestoßen. Keine Schambehaarung. Oberfläche speckig glänzend durch Säurebehandlung, an Bruchflächen porig. Zwischen den Schulterblättern eiserne Montierung, um den Torso an einer roten Marmorsäule aufzuhängen. Restaurierung 1992 (S. Bertolin): Aufhängung und Metallstöpsel in den Bruchflächen der Arme und Beine entfernt; mit Standdübel gesockelt.

Beschreibung: Der Torso zeigt die bekannten Merkmale des Stephanos-Athleten in der statuarischen Ponderation wie im Haltungsmotiv. Er wurde von dem Eigentümer als neuzeitliche Kopie des antiken Berliner Torso K 139 erkannt. Ein genaues Studium und ein sorgfältiger Vergleich mit vielen Messdaten beider Torsen ergaben, dass trotz großer Übereinstimmung jener Torso einen deutlich größeren Gesäßumfang aufweist und in Bewegtheit und Muskelausprägung männlicher und pathetischer wirkt als sein Berliner Vorbild.

Die Frage nach der Entstehungszeit ist derzeit nicht eindeutig zu beantworten. Der Berliner Torso wurde um 1790 bei Rom gefunden und kam 1829 in die Sammlung. Für die Herstellung der rezenten Kopie kommen deshalb der fast dreißigjährige römische Aufenthalt oder die Berliner Museumsperiode seit 1829 in Betracht. Die stilistischen Eigenheiten des Kasseler Torso könnten nach Einschätzung des Leihgebers eher für eine ›barockere‹ und bildhauerisch freiere Wiedergabe bald nach der Auffindung in Rom sprechen als für eine Entstehung im Rahmen der kühleren, elegant-dekorativen Kunst der Berliner Bildhauerei im 2. Drittel des 19. Jhs. Die unverändert große Nachfrage nach Antiken und Antikenkopien in Rom bis gegen 1830, die seinerzeit weit verbreitete restauratorische Säurebehandlung und die beim Ankauf noch vorhandene eigentümliche Montage an einer farbigen Säule zur dominanten Frontalansicht scheinen diese ansprechende Vermutung zu stützen. Weitere neuzeitliche Wiederholungen des Berliner Torsos sind bisher weder in der Berliner Bildhauerei noch unter den zahlreichen Replikatsanbietern des 19. Jhs. nachgewiesen.

Publiziert:
Unpubliziert.


Literatur: Torso Berlin SMPK Antikensammlung: C. Blümel, Römische Kopien griechischer Skulpturen des 5. Jhs. v. Chr., Staatliche Museen zu Berlin 4 (1931) 13, K 139 Taf. 23. – Zum Typus Stephanosathlet und verwandte Statuen: Zanker 1974, 49 ff. Taf. 42 ff.; E. Simon, JdI 102, 1987, 291 ff.; Villa Albani 1992, Nr. 379 (A. Linfert) Repliken Albani u. a.; K. Tancke, Kunst in Hessen und am Mittelrhein 30, 1990, 19 ff. Orest-Pylades-Gruppe Schloss Fasanerie; Vorster 1993, Torso Nr. 35 Abb. 175–177; R. Bol in: Hellenistische Gruppen 1999, 331 ff. Typus verwendet in Gruppenkompositionen. – Zur klassizistischen Bildhauerei in Berlin: J. G. Schadow, Polyclet oder von den Maassen des Menschen (1886); G. Eckardt, J. G. Schadow (1764–1850), Kunstwerke und Kunstansichten (1987); The Dictionary of Art 26 (1996) 22–24 s. v. C. Rauch (1777–1857); P. Bloch, Die Berliner Bildhauerei des 19. Jahrhunderts und die Antike, in: W. Arenhövel (Hrsg.), Berlin und die Antike. Aufsätze (1979) 395 ff. bes. 409 f.; P. Springer, Berlin gegen die Antike. Antikenrezeption und Antikenkritik in der Nachfolge Schinkels, in: W. Arenhövel (Hrsg.), Berlin und die Antike. Aufsätze (1979) 431 ff. bes. 436 f. Pasitelische Gruppen.

(PG)

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