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Tragische männliche Maske Bild1

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Tragische männliche Maske

Inv.-Nr. Sk 50

17. oder frühes 18. Jh., nach antikem Vorbild.

Grauweißer, mittelkristalliner Marmor.

H 21,5 cm
B 19,5 cm
T 12,5 cm



Zugang: Erworben 1750 durch Rat Arckenholtz für Landgraf Wil-helm VIII. auf der Auktion in Den Haag, Slg. Wassenaer-Obdam.


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Nase und vordere Ecke der Grundplatte abgebrochen, Ergänzungen abgenommen, Dübelloch in Grundplatte verfüllt. Zahlreiche Risse, teilweise geschlossen. R. oben und an den Kanten bestoßen. Im 2. Weltkrieg durch Hitzeinwirkung geschädigt. Oberfläche bröselig verwittert, grau verfärbt. Dunkle Verfärbungen auf der RS. Restaurierung 1985: gereinigt, gefestigt.

Beschreibung: Aus einer dreieckigen Grundplatte mit abgerundeten Ecken und geglätteter Oberfläche wächst eine männliche tragische Maske empor. Ihre Rückseite ist gerade abgeschnitten, ihre Oberfläche ist mit Meißel und Zahneisen aufgeraut. Die Unterseite ist relativ glatt. Die Maske trägt eine Frisur aus 14 korkenzieherartig gedrehten, parallel fallenden Lockensträngen, die über der Stirn einen hohen Onkos bilden und stufenweise länger werden, so dass sie das Gesicht umrahmen. Die Maske ist in sich leicht verzerrt und neigt sich zu ihrer rechten Seite, ihre linke Konturlinie ist stärker abgerundet. Die Pupillen sind groß und tief gebohrt. Ein Schnurrbart rahmt den geöffneten, tief ausgebohrten Mund. Der Wangen- und Kinnbart besteht aus kurzen, dicken Locken mit eingerollten Enden. Auf dem Oberkopf, der sich zur Rückseite der Maske hin nur geringfügig senkt, sind längere gewellte Strähnen erkennbar. Sie gehen nach einem Knick zur Stirn hin in die steifen Korkenzieherlocken über. Rechts schließt sich an die Locken eine breite abgerundete Kante an, die sorgfältig geglättet ist. Sie setzte sich aber anscheinend nicht über den Oberkopf zum Scheitel fort. In ihrem plastischen Niveau liegt sie höher als die äußerste angrenzende Locke, deren Volumen nach oben abnimmt. Die linke Seitenkante ist wesentlich schmaler und verliert sich nach oben. Sie war ebenfalls abgerundet und geglättet. Ihr plastisches Niveau liegt tiefer als das der angrenzenden Locken.

Ähnliche Masken sind aus Pompeji als Dekorationsobjekte bekannt (Bieber 1915, Boosen 1985/91). Das Kasseler Stück erinnert in seiner Form an die Eckakroteria der kaiserzeitlichen Sarkophagdeckel (Boosen 1985/91), die häufig die Gestalt tragischer Masken haben (Sapelli 1979, Allegra Dayan 1981, Østergaard 1996). Es wäre denkbar, dass die Maske von einem Sarkophagdeckel abgesägt und ihre Grundplatte sowie ihre Rückseite für eine neuzeitliche Aufstellung abgearbeitet wurden. Die Zurichtung ihrer Seitenkanten und die Form ihres Oberkopfes, an dem sich keine Spuren von Leisten finden, passen jedoch weder zu den Dach- noch zu den Tafeldeckeln, die im Rahmen der kaiserzeitlichen Sarkophagproduktion belegt sind. Daher ist es wahrscheinlicher, dass es sich bei der Maske um ein Werk des 17. oder frühen 18. Jhs. handelt, das sich am Vorbild kaiserzeitlicher Eckakroteria orientiert.

Publiziert:
Wassenaer Auktion 1750, Nr. 310; Bieber 1915, Nr. 89 Abb. 8.


Literatur: Boosen 1985/91, Nr. 61. – Zu kaiserzeitlichen Sarkophagdeckeln: G. Koch – H. Sichtermann, Römische Sarkophage (1982) 66 ff. – Zu tragischen Masken als Eckakroteria: Giuliano 1979, 1 f. Nr. 1. 2 Abb. (M. Sapelli); Giuliano 1981, 66 ff. Nr. 51 Abb. (S. Allegra Dayan); Østergaard 1996, Nr. 35.

(NZE)

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