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Doryphoros Bild1

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Doryphoros
Statuentorso, etwas überlebensgroß
Inv.-Nr. Sk 4

Römische Kopie, um 90–100 n. Chr. nach griechischem Vorbild um 450 v. Chr. Typus Doryphoros von Polykleitos

Weißgrauer, feinkristalliner Marmor, graue wolkige Flecken, Drusenpunkte und Rostflecken besonders auf der l. Seite

H des Torsos 144,5 cm
Distanz Brustwarzen 32 cm
Distanz l. Brustwarze bis Mitte Pubesrand 45 cm
r. Brustwarze bis Pubesrand 40,5 cm



Zugang: Erworben 1777 durch Landgraf Friedrich II. in Rom


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Ringsum bestoßen und abgeplatzt. Brüche: Hals, r. Schulter durch Brust und Rücken, l. Oberarm, durch Rumpfmitte mehrfach im Taillen- und Gesäßbereich, beide Oberschenkel dicht unter den Glutäen, l. Knie, l. Unterschenkelmitte, Risse und Sprünge. Verloren: Kopf mit Hals, l. Arm, r. Arm mit Schulter, tiefe Randstücke der Brüche im Bauchbereich, Abplatzungen im Rücken, r. Bein mit Statuenstütze, l. Bein ab Wadenende, Füße mit Plinthe, Attribute. Vor 1777 Oberfläche geputzt, Schnitte und Abarbeitungen für Ergänzungen (Penis, Palmstamm, Flicken in der Mitte des Rückens, in der Brust und beiden Oberschenkeln) und Montage mit Kopf Kat. 1.8. Im Landgrafenmuseum verblieben und im 2. Weltkrieg bei dessen Totalzerstörung gestürzt, zerschellt, besonders Brust und Bauch verbrannt, schwarz verfärbt, Trümmer magaziniert, Ergänzungen verloren. Restaurierung 1912/13: (Bieber 1915). Torso mit Gipsabgüssen der Replik Neapel 6011 ergänzt. Restaurierung 1974/75: Brüche und Anstückungen der Fragmente gelöst, Eisendübel entfernt, durch Prellungen abgelöste Schollen innerhalb der Brüche abgenommen; gereinigt, zusammengesetzt; klaffende Brüche, Fugen, Dübellöcher mit Gips geschlossen; mit Standdübel gesockelt.

Beschreibung: Der vermutlich im 18 Jh. mit dem typologisch richtigen, aber nicht zu dieser Kopie gehörigen Kopf Nr. 1.8 versehene Torso war mit Marmorergänzungen zu einem Gladiator mit Schwert vervollständigt. Die Abnahme typenfremder Ergänzungen diente der archäologisch begründeten Vervollständigung dieser Replik des Doryphoros mit Gipsabgüssen der fast komplett erhaltenen Neapler Kopie (Bieber 1915). Nach der gravierenden Beschädigung im 2. Weltkrieg lässt der aus Fragmenten wiedergewonnene Torso immerhin erkennen, dass die erhaltenen Partien des Rumpfes mit Oberschenkelstumpf des rechten Standbeines und Stützenansatz sowie dem bis einschließlich Wade erhaltenen Spielbein trotz durchgängig ›geputzter‹ Oberfläche von einer handwerklich erfreulichen Kopie aus spätflavisch-frühtraianischer Zeit stammen (Kreikenbom 1990). Die zunächst für aussichtslos erachtete Restaurierung und Zusammensetzung der erhaltenen Bruchstücke findet ihre Berechtigung auch darin, dass der Torso einerseits die zeitliche Lücke an Doryphoros-Kopien im letzten Drittel des 1. Jh. n. Chr. schließt (Kreikenbom 1990), und andererseits innerhalb der im Klassizismus zusammengetragenen Kasseler Sammlung antiker Skulpturen das berühmteste männliche Standbild der klassischen Antike immerhin noch aufscheinen lässt. Die mustergültige Idealplastik des Bildhauers Polykleitos dient uns in so fragmentiertem Zustand zudem als Lehrstück sowohl für die Substanz und Befund beeinträchtigende Behandlung im 18. Jh. als auch für die zerstörerischen Kriegseinwirkungen der jüngeren Neuzeit.

Publiziert:
Bieber 1915, Nr. 4 Abb. 3 (ergänzter Zustand 1912/13) Taf. 10; AK Kassel 1979, Nr. 439 Abb. (P. Gercke); Kreikenbom 1990, 71. 166 Nr. III 12 Taf. 136–137; AK Frankfurt 1990, 540 Kat. 44 Abb. (D. Kreikenbom). – Im Museum Fridericianum 1777–1912: Tiedemann 1780, 6 f. Gladiator mit Schwert; Völkel 1818, 186 ff. Nr. 7 Athlet ohne Schwert, Kopf nicht zugehörig. – Im Musée Napoléon 1807–1815: Savoy 2003b, 23 f. Nr. 27 a Torso. b Kopf, Abb. Zustand seit 1974, Siegerstatue mit Schwert; Martinez 2004, 39 Nr. 0033 Abb.; s.o. Zur Geschichte der Skulpturensammlung Abb. 6 r. vorn Nr. 12 Gladiator.


Literatur: Zum Typus: Lippold 1950, 164; LIMC I (1981) 196 Nr. 908 s. v. Achilleus (A. Kossatz-Deissmann); AK Frankfurt 1990, 185 ff. (H. v. Steuben); M. Weber, AA 1992, 1 ff. Abb. 1–4 Speer in Balancehaltung; AK Basel 1992, 40-41 Kap. 8 Abb. 40-41. 104-117 Kat. 24 Abb. 122–146. 251–300 (E. Berger); Vorster 1993, 38 f. Nr. 10 Torso 38555 Abb. – Zu Polykleitos/Doryphoros: A. H. Borbein in: Palagia – Pollitt 1996, 66 ff.; AK Berlin 2002, 354 ff. (A. H. Borbein); Vollkommer 2004, 277 f. Nr. 1. s. v. Polykleitos (I) (P. C. Bol).

(PG)

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