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Serapis Bild1

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Serapis
Büste, Statuettenformat
Inv.-Nr. Sk 108

Römisch, um 200 n. Chr., Nachbildung der alexandrinischen Kultstatue des Serapis von Bryaxis um 300 v. Chr.

Dunkelgrauer Basalt

H 11,6 cm
B (Büste) 9,2 cm



Zugang: Erworben von Kalebdian Kunsthandel Paris zwischen 1941 und 1944 (Aus Slg. Dattari, Kairo)


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Unergänzt. Oberfläche und Büstenrand bestoßen; Büste hinten schräg abgeflacht, Kopfrückseite nicht ausgearbeitet. Restaurierung 1973/75: gereinigt.

Beschreibung: Dargestellt ist der griechisch-ägyptische Gott Serapis in Form einer Miniaturbüste. Auf dem Kopf trägt er einen hohen Kalathos (Korb) bzw. Modius (Scheffel), den senkrecht gestellte Olivenzweige in flachem Relief schmücken. Das volle, lockige Haupthaar und der üppige Vollbart geben von dem Gesicht nur die Augen und den Mund frei. Drei gedrehte Locken fallen weit in die Stirn herab. Die seitlichen Haarsträhnen reichen bis auf die Schultern. Der Kinnbart ist geteilt; seine Korkenzieherlocken verdecken den Hals. Der Büstenteil gibt die obere Hälfte des Rumpfes mit Armansätzen wieder, die linke Schulter ist leicht angehoben. Bekleidet ist Serapis mit einem Chiton und einem über die Schultern gelegten Himation. Der Kopf mit dem Kalathos und die Büste sind vorn sorgfältig ausgearbeitet; die Rückseite blieb bossiert bzw. eine flache Schnittfläche. Der große Büstenausschnitt, die Pupillenbohrung und die intensive Anwendung des Bohrers für die Haarwiedergabe datieren den Kopf in severische Zeit.

Die Büste gibt in verkleinerter Form das Kultbild im alexandrinischen Serapis-Heiligtum wieder. Der Serapiskult wurde auf Veranlassung von Ptolemaios I. (reg. 322 bzw. 305/304–282 v. Chr.) von Memphis nach Alexandria übertragen. In dem von dem Baumeister Parmeniskos errichteten Serapeion – anstelle eines zuvor von Alexander gegründeten Tempels der Isis und wohl auch des Osiris – werden vielfältige ägyptische wie griechische Glaubensvorstellungen vereint. Das Kultbild von dem griechischen Bildhauer Bryaxis hat Serapis als thronende Vatergottheit mit dem Höllenhund Kerberos an seiner Seite dargestellt. Das Götterbild steht dadurch sowohl ikonographisch wie auch technisch mit seiner chryselephantinen Konstruktion über einem Holzkern in der klassisch-griechischen Tradition. Der von Ähren oder Olivenzweigen umrankte Kalathos weist ihn als Herrn der Fruchtbarkeit aus, den die Ägypter in der Gestalt des Osiris/Apis und die Griechen in der Gestalt des Hades/Pluto verehrten. Der den Zugang zur Unterwelt bewachende dreileibige Kerberos weist Serapis als Unterweltsgott aus, der in der Nachfolge zu Osiris und Hades steht. Innerhalb der ägyptischen Götterfamilie wird dem Serapis wiederum in Nachfolge zu Osiris Isis zur Seite gestellt; in der griechischen Götterwelt ist Kore/Persephone die Partnerin des Pluto/Hades. Diese Symbiose ägyptischer und griechisch-römischer Gottheiten erklärt die große Beliebtheit dieses Gottes, die sich erst in späthellenistischer Zeit entfaltet. Im Imperium Romanum wird Serapis zum pantheistischen Universalgott, dessen Verehrung sich in zahlreichen und weit verbreiteten Wiederholungen des alexandrinischen Kultbildes, darunter auch solche aus dunklem Stein, manifestiert (Felgenhauer 1996).

Publiziert:
Collections Lambros et Dattari, Antiquité Égyptiennes, Greques et Romaines, Auktionskat. Paris (1912) Nr. 352; G. J. F. Kater- Sibbes, Preliminary Catalogue of Sarapis Monuments, EPRO 36 (1973) Nr. 1044; W. Hornbostel, Sarapis. Studien zur Überlieferungsgeschichte, den Erscheinungsformen und Wandlungen der Gestalt eines Gottes, EPRO 32 (1973) 282 Anm. 2. 475 Abb. 301; Felgenhauer 1996, Nr. 94 Abb.


Literatur: Slg. Wallmoden 1979, 52 f. Nr. 16 Abb. kleine Alabasterbüste (K. Fittschen); Felgenhauer 1996, 27 f.; G. Grimm, Alexandria (1998) 81 ff.; Vollkommer 2001, 122 ff. s. v. Bryaxis (R. Vollkommer).

(PG)

Serapis  Bild1Serapis  Bild2

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