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Bärtiger Syrinxspieler Bild1

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Bärtiger Syrinxspieler
Kopf-Schulter-Fragment einer Statue, unterlebensgroß
Inv.-Nr. ALg 138

Peloponnesisch (?), um 500 v. Chr.

Weißer dichter Kalkstein (Poros), braun patiniert

H insgesamt 36 cm; B 30 cm
B des Nackenhaares 14,5 cm


Fundort: Palaia Epidauros (?)

Zugang: Leihgabe aus Privatbesitz seit 1973


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Unergänzt. Unregelmäßiger Bruch quer durch den Oberkörper in Brust- und Ellenbogenhöhe; vertikaler unregelmäßiger Bruch von der r. Kopfseite bis zur Oberkörpermitte. Gesicht mit Bart und Attribut weitgehend verloren; Hände stark beschädigt. Oberfläche: bestoßen, teils löchrig-porös, teils schartig verkratzt, Abplatzungen. Restaurierung 1973/75: Oberfläche gereinigt, Standdübel montiert.

Beschreibung: Von einer etwas unterlebensgroßen Figur hat sich die linke Oberkörperhälfte mit Arm und Kopffragment erhalten. Schulter, Brust, Rücken und Arm sind unbekleidet. Beide Hände sind zum bärtigen Kopf geführt. Der linke angewinkelte Arm liegt auf der Brust, die empor gestreckte Hand fasst seitlich an den Backenbart; der kleine Finger vorn und der Daumen hinten haben sich rudimentär erhalten. Die Hand des ebenfalls angewinkelten rechten Armes hält horizontal einen flachen rechteckigen Gegenstand vorn auf dem Bart; die drei letzten Finger greifen um die Seitenkante und berühren fast die linke Hand. Bei dem flachen, unten zweistufig endenden Gegenstand könnte es sich um eine Syrinx handeln. Der fein gerippte Bart bedeckt die rechte Wange und endet zungenförmig unten auf der Brust. Oberhalb der rechten Schläfe mit Ansatz des Augenlides lässt eine Buckellocke auf die Stirnhaarfrisur schließen. Das kompakte ungegliederte Nackenhaar schmiegt sich an Hals und Nacken; es reicht in breiter Zungenform bis auf den Rücken hinab. Die Körperformen zeichnen sich durch weiche Modellierung und sparsame Differenzierung mit flacher, teils schnittartiger Konturierung aus. Anatomische Details wie Schlüsselbein, Schulterkugel, Schulterblatt sowie Muskeln an Oberarm und Brust vermitteln den Eindruck behäbiger Leibesfülle.

Soweit an dem Fragment die ursprüngliche Haltung der Figur abzulesen ist, handelt es sich um einen bärtigen, vielleicht musizierenden Gelagerten, der sich mit der rechten verlorenen Oberkörperseite anlehnte bzw. mit dem Arm aufstützte. Er scheint den Kopf etwas zur linken Seite zu neigen. Der Körper war zur gleichen Seite bewegt bzw. ausgestreckt, wie die abfallende linke Schulter und der entspannt aufliegende, angewinkelte Arm andeuten. Die aus der Brustmitte leicht nach rechts verschobene Bartspitze und das senkrecht herabfallende Nackenhaar auf dem nach links gerichteten Oberkörper folgen dieser Bewegung. Das unterlebensgroße Format und die nachlässiger ausgeführte Rückseite würden für die Verwendung der Figur in einem Giebel oder an hochplastischen Metopen sprechen. In der spätarchaischen Bau- und Votivplastik ist der Motivtypus des bärtigen Gelagerten mit menschlichem Oberkörper für Fabelwesen, Heroen und göttliche Wesen in Kampf- und Bankettszenen geläufig. Der Figurentypus eines fettleibigen Musikanten – und falls die rechte Hand eine Syrinx an den Mund hält – kommt im großplastischen Repertoire der Gelagerten anscheinend bisher nicht vor und wäre am ehesten im dionysischen Bereich (Pan, Silen, lokaler Heros) anzusiedeln.

Trotz des fragmentarischen Zustandes kann die Skulptur in die spätarchaische Periode datiert werden. Eine genauere Festlegung in dem Zeitraum von ca. 520 bis 470 v. Chr. ist den rudimentären Details des Bartes und der Buckellocke sowie der Körpermodellierung vorerst nicht abzugewinnen. Auch einer örtlichen oder landschaftlichen Zuordnung stehen der fragmentarische Zustand des Torsos und der bescheidene Forschungsstand über spätarchaische Kalksteinskulpturen entgegen. Immerhin belegen dieses Fragment und der weibliche Kopf Kat. 1 mit dem angeblich gemeinsamen Fundort, dass die archaische Polis Palaia Epidauros anscheinend auch mit großplastischen Kalksteinskulpturen ausgestattet war.

Publiziert:
Unpubliziert.


Literatur: Zur spätarchaischen Bauplastik aus Poros/Kalkstein allgemein: B. S. Ridgway, The Archaic Style in Greek Sculpture (1977) 229. 249 (Lit.) bes. Metopen. 331 Index s. v. limestone; Boardman 1981, 181 ff. – Zu Palaia Epidauros und archaischer Plastik s. hier Kat. 1.1. – Zur Syrinx: G. Haas, Die Syrinx in der griechischen Bildkunst (1985).

(PG)

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