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Gewandfigur Typ Große Herkulanerin Bild1

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Gewandfigur Typ Große Herkulanerin
Statuettentorso
Inv.-Nr. Sk 26

Wohl 2. Jh. n. Chr.

Weißer, feinkristalliner Marmor, porös

H insgesamt 36 cm
H des Torsos 22 cm



Zugang: Alter Bestand


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Erhaltungszustand/Restaurierung: Torso. Oberfläche korrodiert, bestoßen und brandgeschwärzt. Verloren: Kopf mit Büste, l. Schulter, Hände, Teil des Mantels hinter dem l. Arm, Plinthe mit Füßen und Gewand unten. Vermutlich im 18. Jh. Oberfläche stark geputzt, Schnitte in Schulterhöhe und am unterem Mantelsaum vorn für Marmorergänzungen (davon erhalten: Kopf mit Büste, Plinthe mit Gewandund Füßen). Restaurierung 1912/13: (Bieber 1915). Im 2. Weltkrieg brandgeschädigt und verfärbt. Oberfläche bestoßen. Restaurierung 1985: gereinigt, gefestigt.


Beschreibung: Der Torso gibt in vereinfachten, markanten Zügen den Figurentypus ›Große Herkulanerin‹ wieder. Das überaus häufig kopierte Vorbild zeigt eine ruhig stehende Frau mit leicht zur Seite gesetztem linken Fuß. Sie wendet den gering vorgeneigten Kopf zur Spielbeinseite und ist mit einem aufwendig drapierten Chiton und Mantel bekleidet. Das fein gefältete Untergewand wird oben nur mit seinem Saum vorn am Hals sichtbar und unten unterhalb des Mantelsaums mit dichten Steilfalten, die bis auf den Boden reichen und lediglich die Fußspitzen hervorschauen lassen. Der an der linken Seite zu öffnende Mantel umhüllt die Figur ganz bis zur Mitte der Unterschenkel. Sie hat den oberen Mantelsaum schleierartig über den Hinterkopf gezogen und hält auf der Brust mit der angewinkelt erhobenen rechten Hand den gebauschten Mantelsaum fest. Eine straffe Faltenbahn führt von der Hand zur linken Schulter und fällt hinter dem anliegenden, mantelumwickelten Arm herab. Eine andere wulstige Faltenbahn verläuft diagonal von der rechten Hand über den Körper zum linken gesenkten Unterarm. Vom angewinkelten Unterarm läuft ein kleiner Bausch unter dem Diagonalwulst zur linken Hüfte und vereinigt sich mit einer Steilfalte an der Spielbeinseite. Zugfalten von der Standbeinhüfte zum vorkragenden Spielbeinknie sowie Bogen- und Steilfalten auf dem Unterkörper gliedern den unteren Mantelbereich. Einen prägnanten Gegensatz dazu bildet der obere Mantelteil mit seiner doppellagigen Dreiecksform zwischen angehobener Hand sowie Schulter und gesenktem Unterarm auf der Spielbeinseite. Die schematischen, kerbschnittartigen Bohrrillen der Gewandfalten sprechen für eine Datierung des Torsos in die 2. Hälfte des 2. Jhs. n. Chr.

Bisher ist der Figurentypus in drei Statuetten (Argos, Athen, Kassel) mit einer annähernd gemeinsamen Höhe von etwas über 30 cm überliefert (Kruse 1975). Diese kaiserzeitlichen Miniaturwiederholungen tragen wegen ihrer fragmentarischen Erhaltung nicht zur Rekonstruktion des Vorbildes bei, dessen Deutung zwischen Demeter, heroisierter Priesterin oder Idealporträt einer berühmten Frau (Dichterin?) schwankt. Das griechische Vorbild wird übereinstimmend in die Zeit um 320 v. Chr. datiert (zusammenfassend Kruse 1975, Vorster 1993). Das etwas überlebensgroße Vorbild geben vier Repliken mit einem idealen Kopf (›Melonenfrisur‹) wieder. Die meisten Wiederholungen verwenden den Figurentypus mit Porträtköpfen für Grab- und Ehrenstatuen oder weniger porträthaft auf Grabreliefs. Die Statuetten sind wahrscheinlich weniger den porträthaften als vielmehr den idealtypischen Wiedergaben des Vorbildes zuzurechnen.

Publiziert:
Bieber 1915, Nr. 40 Taf. 28; Kruse 1975, 260 ff. Anm. 48 Nr. 58; A. Alexandridis, Die Frauen des römischen Kaiserhauses (2004) 240 Nr. 63 capite aperto.


Literatur: Zum Gewandtypus ›Große Herkulanerin‹: Lippold 1950, 242 Taf. 86, 1; L. Alscher, Griechische Plastik III (1956) 194; M. Bieber, ProcAmPhilSoc 106, 1962, 111 ff.; S. Karusu, AM 84, 1969, 146 ff.; I. Linfert-Reich, Musen- und Dichterinnenfiguren des 4. und frühen 3. Jhs. v. Chr. (1971) 53 ff.; Kruse 1975, 41 ff. Typ B Taf. 14–27. Replikenliste (Statuen, Grabreliefs, Sarkophage) 260 ff. Anm. 48 (3 Statuetten: Nr. 18 Argos; Nr. 23 Athen NM 2628; Nr. 58 (hier Kat. 1.27). Anm. 50–52 Datierungen. Anm. 54 Idealfiguren; A. Linfert, Kunstzentren hellenistischer Zeit (1976) 60 Anm. 181 Abb. 95; M. Bieber, Ancient Copies (1977) 148 ff.; H. Protzmann, Die Herkulanerinnen und Winckelmann, in: Schriften der Winckelmann-Gesellschaft IV (1977), 33 ff.; V. Sokolovska, BCH 102, 1978, 77 ff. weitere Repliken; Fuchs 1979, Abb. 236 Dresden Hm 326; LIMC IV (1988) 853 Nr. 62 Dresden Hm 326 s. v. Demeter (L. Beschi) Benennung ungesichert; Vorster 1993, Nr. 56 Abb. 256. 257 Torso; A. Alexandridis, Die Frauen des römischen Kaiserhauses (2004) 238 ff. Replikenliste Große Herkulanerin, Original um 330 v. Chr., Priesterin oder Bürgerin; AK Paris 2007, 93 Abb. 69 Replik Dresden Inv. Hm 326 (A. Pasquier).

(PG)

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